Arbeitsamt-TV.de  Das ultimative ArbeitslosenKino  
Lustige, gruselige und tröstliche Tonfilme aus der Arbeits(losen)welt

Jobcenter Bibliothek

Dienstag, 26. April 2011

Desinformation mit falschen Zahlen | Ein Blick hinter die Statistiken

Bericht zur Desinformation mit der Statistik. “Wenn ich weiß, welches Interesse hinter einer Zahl steckt, weiß ich auch, in welche Richtung sie schön gefärbt worden ist”, meint Statistiker Gerd Bosbach. Politiker argumentierten deshalb gerne mit Zahlen, weil sie dahinter ihre Meinung verstecken könnten. “Ich habe Leuten 30 Statistiken vorgelegt, von denen 28 eindeutig in eine Richtung wiesen”, schildert Bosbach. Die Politiker seien dann mit den beiden abweichenden in den Bundestag gegangen.

“In Deutschland sind 3,2 Millionen Menschen arbeitslos, was 7,6 Prozent entspricht.” – Da Kurzarbeiter, Ein-Euro-Jobber und diejenigen, die von privaten Arbeitsvermittlern betreut werden, nicht mitzählen, liegt die Zahl höher: 9,3 Prozent, was ein Mehr von 700.000 Menschen umfasst. “Ich glaube bei der Arbeitslosenzahl, dass wir zu wenig wissen”, meint Bosbach. “Wenn das die Bürger wüssten, wären sie sauer auf diese Art der Zählung.”



“10 bis 15 Prozent der Ausländer sind integrationsunwillig.” – Diese Zahl beruht nur auf Schätzungen der Ausländerbehörden, hat der damalige Deutsche Innenminister Lothar de Maizère herausgefunden, nachdem er die Zahl schon veröffentlicht hatte. Es gibt keine tragfähige Statistik.

“40 Prozent der Akademikerinnen haben keine Kinder.” – Ein Erhebungsfehler,...
[...] meint Statistiker Gerd Bosbach, schließlich seien nur westdeutsche Akademikerinnen zwischen 35 und 39 Jahren befragt worden. “Bei den kinderlosen Akademikerinnen wurde eine große Gruppe ins Auge gefasst, von denen Teile gar nicht kinderlos waren. Erst als eine Forscherin widerlegt hat, was an dieser Zahl falsch ist, kam die Diskussion neu auf.” Die Zahlen lägen eher bei 25 als 40 Prozent und damit fünf Prozent über dem deutschen Durchschnitt.

“Die Kosten im Gesundheitswesen explodieren.” – Seit 1992 machen die Kosten relativ stabil zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts aus – die Kosten steigen synchron mit dem Wohlstand und damit zwar absolut, nicht jedoch relativ. “Die Politik laboriert an der falschen Seite”, meint Bosbach: “an den Kosten, die nicht überdimensional wachsen, aber nicht an den Einnahmen.”

“Die Deutschen sterben aus.” – Das sei “keine Statistik, sondern Kaffeesatzleserei”, sagt Bosbach. Auch wenn die aktuellen Geburtenzahlen niedrig liegen: Bei den Veröffentlichungen zur Bevölkerungsentwicklung bis 2050 habe das Statistische Bundesamt ausdrücklich darauf verwiesen, “dass solche langfristigen Berechnungen nur Modellcharakter haben und keine Prognosen sind.” Auch die verbreitete Annahme, dass Deutschland weltweit die niedrigste Geburtenrate pro Frau habe, sei “schlicht und einfach falsch”.

Quelle: Geschönte Zahlen | Gerd Bosbach blickt hinter die Statistiken (3Sat)


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen