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Mittwoch, 14. März 2012

Arbeitsloser kritisiert Programm „50 plus“ | Echo Online

99 Arbeitslose im Alter von über 50 Jahren hat das Jobcenter-Odenwald angeblich voriges Jahr aus "Arbeitserziehungsmaßnahmen" zurück in den "Arbeitsdienst" befördert. Zweifel an der Qualität des Vermittlungserfolgs hat allerdings der 59 Jahre alte Arbeitslose Gerhard Jadwitschack.

gg schreibt im Echo:
Arbeitsloser kritisiert Programm „50 plus“ | Echo Online - Nachrichten aus Südhessen: "Odenwälder Betroffener kann die positive Einschätzung der offiziellen Stelle nicht teilen“


[...] so, wie Jadwitschack diese Maßnahme kennengelernt hat, kann diese unabhängig von der Einsatzstelle nicht sinnvoll wirken.

[...] Die meisten Erwerbslosen aber müssten die vermeintliche Förderung als Beschäftigungstherapie empfinden, in der Zeit- und Geldverschwendung Hand in Hand gingen.

Zur Begründung seiner Bewertung führt Jadwitschack eine Vielzahl von Elementen der 50-plus-Förderung an, wie sie ihm von der Erbacher Außenstelle der Arbeitsagentur angedient worden sind, um sogleich den jeweiligen Haken daran aufzuzeigen. So findet er weder „grundsätzliche Tipps bei der Stellensuche“ und „Tipps und Tricks zu konkreten Anschreiben“ noch eine Überprüfung von „Lebenslauf und Unterlagen“ sinnvoll. Wer so etwas benötige, der müsse gleich zu Beginn seiner Arbeitslosigkeit damit geholfen bekommen – und nicht in einer später ansetzenden speziellen Maßnahme.

Unangemessen findet Jadwitschack auch Ratschläge für die „professionelle Gestaltung der Bewerbungsmappe“ in einer Zeit, „da Bewerbungen zumindest in meinem Fach IT zu 90 Prozent online abgewickelt werden“. Widersinnig sei es, einen Vorgebildeten wie ihn in Internet-Recherchen für Arbeitsplätze einführen und mit Schulungen zur PC-Nutzung fördern zu wollen. Ganz zu schweigen von Tipps „Wie kleide ich mich richtig“ an Menschen, die mit über 50 Jahren und reichlich Berufserfahrung sicher wüssten, welche Kleideretikette angesagt sei. Gesetzlich vorgeschriebene Hilfsmöglichkeiten schließlich könne er leicht ohne Anleiter selbst recherchieren.

Eingedenk all dessen kritisiert der Erwerbslose die Maßnahmen als weder zielgerichtet noch effektiv. Das wären sie für einen IT-Fachmann etwa dann, wenn fachliche Fortbildungen oder Fremdsprachen-Aufbesserungen angeboten würden. Genau davon aber sei nichts an ihn herangetragen worden. „Die eigenverantwortlich handelnden Beschäftigungspakte können mit individuellen, qualifizierten und auf die Region angepassten Maßnahmen die Beschäftigungschancen älterer Langzeitarbeitsloser erheblich verbessern“, zitiert Jadwitschack die Selbstbelobigung des Jobcenters, um zu fragen, an welchen Punkten dies auf die von ihm geschilderten Elemente zutreffe. 

Freuen allerdings, so schließt der Höchster, werde die Maßnahme den Bildungsträger, denn der bekomme für vergleichsweise wenig Aufwand einen lohnenden Ertrag. Wie Jadwitschack anfügt, hat er seine Kritik auch direkt an die örtliche Arbeitsagentur und an deren Hauptverwaltung in Berlin adressiert. Aus der Hauptstadt hat er wenigstens eine Zwischenantwort erhalten: „Der Kunde kritisiert die ihm vorgeschlagene Maßnahme und begründet seine Skepsis ausführlich und auf den ersten Blick durchaus nachvollziehbar“, heißt es in einem Hinweis an die lokale Vertretung."  Alles lesen: http://nyc.de/y1pUUC

1 Kommentar:

  1. Obwohl mein Lebensgefährte und ich selbständige Werbetexter sind, wurde mein Lebensgefährte gezwungen, an einer 6 Monate dauernden Maßnahme, die sich ProVIL 50plus nennt, teilzunehmen. Online-Texter haben im Sommer häufig viel Konkurrenz, im Winter ist Hochsaison und wir haben darum gebeten, uns in Ruhe arbeiten zu lassen. 6 Wochen nach Beginn der Maßnahme fanden wir noch einen neuen gut zahlenden Kunden und wären gemeinsam auf ca. 1000 Euro der uns als Bedarfsgemeinschaft zustehenden nicht ganz 1.200 Euro gekommen, so hätte die Leistungsabteilung des Jobcenters gespart und wir mehr Freibeträge erwirtschaften können. Es wurde abgelehnt, dass mein Lebensgefährte mir hilft, so dann ich nur ca. 500 Euro monatlich erwirtschaften konnte. Wir sind eine GbR und Gewinne werden immer durch 2 geteilt. Ich muss meinen Partner ja unterstützen, den die Abteilung 50plus definitiv am Geldverdienen hindert. Wir haben deshalb beim Sozialgericht Kiel geklagt und verloren. Die Begründung war, wir wären ja nicht in unserer Existenz bedroht dadurch, dass die Sinnhaftigkeit der Maßnahme in Frage zu stellen sei oder eine Einkommensoptimierung durch Ausweitung der Selbständigkeit deshalb nicht möglich sei.
    Wir haben das hier geblogt und bloggen die Erfahrungen meines Lebensgefährten in dieser Maßnahme, in der so gut wie kein Unterricht stattfindet, sondern man die Leute unter Androhung von Saktionen zu gähnender Langeweile zwingt, auch regelmäßig, um die Öffentlichkeit zu informieren.
    Hier finden Sie mehr Infos zu unseren Erfahrungen, die jeder Beschreibung spotten, was man sich als alter Mensch gefallen lassen muss und was uns mittlerweile wirklich an Stasi-Methoden oder die im Dritten Reich erinnert.

    http://pferde-tiere-gesundheit-soziales-zeit.blogspot.de/2013/01/sozialgericht-kiel-meint-job-versauen.html

    LG
    Renate und Jürgen
    Die Textritter GbR

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